ADHS is not a Crime

Aufgrund meiner generellen Angst, die Krankheitssymptome sowie den dadurch bedingten hohen Betäubungsmittelkonsum anderen Menschen mitzuteilen, schrieb ich ihr jedoch zuallererst einen Brief, in dem ich die Problematik schilderte. Ferner fußt die äußerst späte Inanspruchnahme medizinischer Hilfe darauf, dass mir die Möglichkeit einer ADHS-Erkrankung jahrelang unbekannt geblieben ist – zugegebenermaßen teilweise selbstverschuldet. Erst infolge des intensiven Selbststudiums von Fachliteratur und der Selbstreflektion meines Lebensweges sowie meiner Lebenssituation im Lichte meiner Symptome wurde mir bewusst, dass diese auf einer Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung basieren könnten. So haben im Kindergarten und in der Grundschule bereits Lehrer, Betreuer sowie Kinderpsychologen vermutet, dass ich an ADHS leide. Anknüpfungspunkte waren mein impulsives Verhalten gegenüber anderen Kindern oder Mitschülern sowie die Tatsache, dass meine schriftlichen Leistungen stets zufriedenstellend waren, während ich in der mündlichen Mitarbeit beziehungsweise im persönlichen Diskurs einige Mängel aufwies. Eine tatsächliche ADHS-Diagnose war zu dieser Zeit leider nur schwerlich möglich, da die entsprechenden Symptome durch meinen passiven Konsum von Zigaretten- sowie Cannabisrauch eingeschränkt worden sind. Denn meine Eltern waren starke Zigarettenraucher. Zudem konsumiert mein Vater aufgrund seiner eigenen Konzentrationslosigkeit, Rastlosigkeit und Unruhe seit jeher tagtäglich in großen Mengen Marihuana. Der dadurch entstandene Rauch verteilte sich stets in der gesamten Wohnung – auch in meinem Kinderzimmer. Hinzukommt, dass meine Eltern psychisch sowie physisch selbst leider nicht dazu in der Lage waren, der seitens Grundschule und Kindergarten aufgestellten Vermutung einer ADHS-Erkrankung nachzugehen.

Meine Mutter war bis zu ihrem Tod im Jahre 2019 depressiv sowie alkoholabhängig, wobei das eine das andere bedingte. Sie trank auch in der Zeit, in der sie mit mir schwanger war. Mein Vater leidet seit seiner Kindheit an den gleichen Symptomen wie ich. Um diese zu lindern, konsumiert er jedenfalls seitdem ich ihn kenne regelmäßige große Mengen Marihuana.

Aufgrund der spezifischen persönlichen Situationen der beiden kam es regelmäßig zu heftigen Streitereien zwischen ihnen. Es wurden beispielsweise Gläser geworfen oder die Kinderzimmertüren eingetreten. Einmal hat sich meine Mutter sogar auf die Straße gelegt, um sich umzubringen. Besserungen in Bezug auf meine Mutter traten auch dann nicht ein, als sich mein Vater im Jahre 2005 aufgrund der Streitereien und des Alkoholkonsums von ihr trennte und aus der gemeinsamen Wohnung auszog. Aufgrund dessen suchte ich Zuflucht bei meiner Oma, während mein 10 Jahre jüngerer Bruder monatelang bei einer Pflegefamilie untergebracht wurde. Beiden Parteien war es aufgrund der Umstände jedoch weder möglich noch zumutbar, meine Symptome als ADHS Symptome zu erkennen und medizinisch untersuchen zu lassen.

In meiner Zeit an der Realschule bis zum Beginn der eigenständigen Ursachenerforschung in Bezug auf meinen Lebensweg, meine Lebenssituation sowie meine gesundheitliche Verfassung in den Jahren 2019 und 2020 erkannte ich die ADHS-Erkrankung aufgrund meines eigenen Fehlverhaltens nicht. Denn zunächst konsumierte ich von meinem 17ten bis zu meinem 25ten Lebensjahr in großen Mengen diverse Betäubungsmittel vorwiegend mit Freunden privat oder auf Partys und trug auf diese Art und Weise selbst dazu bei, dass die ADHS-Symptome nach außen kaum erkennbar waren. Der damalige Konsum erfolgte aufgrund der schwierigen familiären Situation in Bezug auf meine Eltern sowie aufgrund des Einflusses meiner damaligen Freunde. Ich konsumierte mithin nicht aus gesundheitlichen Gründen. Ganz im Gegenteil habe ich mir durch mein Verhalten vorgegaukelt, ich sei ein eigentlich völlig gesunder Mensch, der keine medizinische Hilfe benötige. Das war rückblickendbetrachtet ein Fehler. Mein damaliger täglicher Betäubungsmittelkonsum belief sich stets auf Marihuana, Amphetamine sowie mehrere Biere. Dieser war so hoch, dass ich einmal sogar auf der Intensivstation behandelt werden musste, weil ich aufgrund der Betäubungsmittel das Bewusstsein verloren hatte. Außerdem war ich in der Drogenszene allseits als der größere Junkie bekannt, da ich das Drei- bis Vierfache der Menge des gewöhnlichen Konsumenten zu mir nahm. Natürlich habe ich diesem Umstand damals keine Bedeutung zugemessen schon gar nicht unter dem Gesichtspunkt seiner Erforderlichkeit zur Linderung meiner ADHS Symptome.

„Alle Textlinks und Werbebanner sind sogenannte Amazon-Partner-Links“ 

Kommentar verfassen